Ach, das merkt der nicht…

Als Bauherr ist man ja naturgemäß ein ziemlicher Trottel, der dem gewieften Handwerker alles glaubt. Das scheint zumindest die vorherrschende Meinung unter eben diesen Handwerkern zu sein. Wenn mir mittlerweile ein Handwerker einen guten Morgen wünscht, schaue ich lieber erst mal aus dem Fenster um zu schauen, ob es tatsächlich morgens ist.

Gerade unser Sanitär-Installateur testet mein Nervenkostüm derzeit systematisch auf Schwachstellen aus. So fragt unser Trockenbauer seit Wochen regelmäßig nach Informationen vom Installateur. Dieser sagte einen Termin für letzte Woche Donnerstag fest zu. Mittlerweile ziemlich skeptisch, nahm ich mir den Nachmittag frei, um die Arbeiten zu beaufsichtigen und zu kontrollieren, ob auch alle Arbeiten, die wir bemängelt haben, erledigt werden. Um es kurz zu fassen, ich habe einen halben Urlaubstag verbraten, um mit dem Trockenbauer ein gemütliches Schwätzchen zu halten, Auto zu waschen und einkaufen zu fahren. Die Klempner sind natürlich nicht aufgetaucht. Nach dem ca. 15 Anruf beim Chef der teuflischen Installateur-Bande rief dieser mich tatsächlich zurück um mir zu bestätigen, dass die Jungs eigentlich da sein müssten. Er würde das aber prüfen, und mich umgehend zurückrufen. Lieber Herr L., auf diesen Anruf warte ich noch immer.

Vielleicht hat er ja aber auch nur die Astralprojektionen seiner Mitarbeiter geschickt, Körper konnte ich zumindest keine sehen. Ich überlegte kurz, unseren Bauleiter einzuweihen, lachte kurz und verwarf den Gedanken schnell wieder.

Kurzum, der Trockenbauer hat schon einmal weitergearbeitet, wir haben unseren üblichen Samstag auf der Baustelle verbracht, um weiter an der Elektrik zu feilen und das eine oder andere zu erledigen.

Plötzlich tauchte auf dem Nichts ein Mensch in Latzhose auf. Messerscharf kombinierte ich, dass dieser sicher einen handwerklichen Beruf ausübt, oder einen fragwürdigen Modegeschmack inne hat. Da der Unbekannte es nicht für nötig hielt, sich vorzustellen, und mir eine erkennungsdienstliche Behandlung übertrieben vorkam, fragte ich die Person nach dem Grund seines Besuches. Dieser frohlockte in all seiner Redseligkeit:

(P)erson: „Firma L.“.

(I)ch: „Ah, ok. Wenn mich nicht alles täuscht, haben Sie gerade keine Badewanne unter dem Arm, um den armen Trockenbauer weiterarbeiten zu lassen. Falls Sie endlich die Heizung einschalten möchten, diese befindet sich im EG und nicht hier im Obergeschoss. Verlegen Sie vielleicht die falsch angebrachte Duschgarnitur? Oder erkären mir die offen Fragen, die ich Ihrem Chef vor vielen Monden habe zukommen lassen?“

P: „Ich mach dat Klo fest.“

I: „Aber was ist denn mit den ganzen anderen…“

P: „Chef kommt gleich.“

Mehr als ein verächtliches Schnauben war dem Herrn nicht mehr zu entlocken. Mit unnachahmlicher Manier umrundete er mich und widmete seine Aufmerksamkeit dem Toilettengestell, welches nicht richtig verankert wurde und beträchtlichen Bewegungsspielraum besaß. Ich beschloss, den Retorik-Papst nicht weiter zu belästigen, und auf „Chef“ zu warten. Dieser tauchte wenig später auf, ich stellte mich freundlich vor.

I: „Guten Tag, mein Name ist David Hofmann, vielleicht erinnern Sie sich ja an mich. Ich warte auf Ihren Rückruf, meine Heizung läuft nicht, die Badewanne fehlt, und ich habe noch 27 andere Punkte, die ich schnellstmöglich abgearbeitet haben möchte.“

(C)hef: „Wir kommen gleich wieder.“

Mit einem Taschentuch winkte ich den Jungs Adieu, die Hoffnung auf ein Wiedersehen war eher gering. Zu meiner Überraschung kamen die beiden aber tatsächlich nach kurzer Zeit wieder. Den wortgewandten Klempner hatte ich ja mittlerweile schon ein wenig ins Herz geschlossen, dieser lehnte mein Angebot einer Umarmung jedoch ab und widmete sich lieber wieder dem Toilettengestell.

Vielleicht weiß der Chef meine Aufmerksamkeit ja mehr zu schätzen, also bin ich dem Herrn nicht mehr von der Seite gewichen. Ich forderte ihn auf, die Heizung einzuschalten, damit die Trocknung des Estrichs endlich abgeschlossen werden kann. Ein gewisses Unbehagen war spürbar, als ich ihm nicht von der Seite wich, während er wahllos auf dem Eingabefeld der Wärmepumpe herumdrückte. Mein Hinweis, dass die gleiche Wärmepumpe bereits bei 2-3 anderen ARGUS-Baustellen installiert wurde und er ja so langsam wissen müsse, wie diese zu konfigurieren sei, hat er scheinbar überhört. Ich merkte sofort, wir werden noch richtig dicke Freunde.

Nachdem er dann tatsächlich die Einstellung für das Funktionsheizen fand und die Heizung ansprang, hielt ich ein Lob für verfrüht und hielt ihm die offene-Punkte-Liste unter die Nase. Was denn mit der Badewanne sei, der Trockenbauer warte ja schließlich darauf. Und die anderen Punkte?

Er bestätigte mir mehrmals, die Badewanne käme Montag, weitere Arbeiten werden Dienstag und/oder Mittwoch ausgeführt, spätestens Freitag möchte er mit allen Arbeiten fertig sein. Ich vermittelte ihm mit großer Bestimmtheit, dass ich mich darauf verlasse.

I: „Warum haben wir eigentlich im Erdgeschoss eigentlich 5 beheizte Räume, aber 7 Leitungen am Heizkreisverteiler?“

C: „Wegen der Größe des Wohnzimmers liegen dort insgesamt 3 Kreise.“

I: „Klingt plausibel. Und im OG? Dort sind die Räume doch deutlich kleiner“.

C: „Nein, hier gilt das gleiche Prinzip“.

Und hier beging ich wieder den Anfängerfehler. Nach der Aussage wäre es dringend ratsam gewesen nach oben zu gehen, und noch einmal zu zählen. Das tat ich natürlich erst, als er das Gelände längst verlassen hat. Auf 5 beheizte Räume im OG kommen 4 Anschlüsse im Verteiler. Tschüß, alte Punkte auf der Fragenliste, willkommen neuer Punkt.

Es ist jetzt Montag Abend, kurz vor 19 Uhr – natürlich keine Badewanne in Sicht. Der Trockenbauer, welcher es sich übrigens in unserem Garten bequem gemacht hat, reagiere etwas ungehalten, in einem Comic wären Bomben und Totenköpfe in seiner Sprechblase. Und das nicht ganz zu Unrecht.

Von einem anderen ARGUS-Bauherren hatte ich erfahren, dass die Türöffnungen an ihrem Bau zu groß gewesen sind, diese mussten unterfüttert und erneut verputzt werden. Mir schwante nichts Gutes. Da die Zargen ja bei uns rumliegen, um sich „an das Raumklima gewöhnen„, hielten wir eine Zarge an die Türöffnung und siehe da – die Öffnungen sind zu groß, wie sollte es auch anders sein. Ich habe unseren Bauleiter auf diesen Misstand aufmerksam gemacht, bisher ohne Reaktion.

Zumindest hat er es geschafft, dem Gerüstbauer mitzuteilen, dass er das Gerüst nun endlich entfernen kann. Ohne Gerüst sieht das Haus doch etwas nackt aus, vielleicht hätten wir es einfach stehen lassen sollen. Wer weiß, wofür man es noch einmal braucht.

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