Das Imperium schlägt zurück

Und wieder sind zwei Wochen rum, es ist tatsächlich etwas auf der Baustelle passiert. Die Freude hierüber wird aber natürlich direkt wieder getrübt, ARGUS arbeitet fleißig daran, dass ich an Magengeschwüren und an nem Herzkasper jämmerlich zugrunde gehe.

Aussengeraet_Heizung

Aber erstmal die positiven Dinge. Der Trockenbauer hat sein Gewerk beendet, wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Am Anfang war ich noch ziemlich skeptisch, aber das Ergebnis ist wirklich gut, die Kommunikation mit dem Trockenbauer hat super funktioniert, er ist auf unsere Wünsche eingegangen, hat Vorschläge gemacht und uns z.B. vor Mängeln beim Sanitär-Gewerk gewarnt. So wünschten wir uns das von allen Handwerkern.

Das Thema Heizung und Sanitär wiederrum entwickelt sich zur Endlosschleife. Da unser Heizungsbauer nicht über den geforderten Kältemittel…irgendwas…schein verfügt, musste ein Spezialtechniker unser Außengerät installieren. Der Sanitärmensch hat den Techniker verkauft, als würden extra Spezialisten der NASA eingeflogen kommen, um unser Außengerät anzuschließen. Als ich mir das Resultat ansah, ist wieder eine Seifenblase zerplatzt.

Scheinbar ist jeder Handwerker angehalten, möglichst große Löcher in unsere Wände zu stemmen, und diese dann bloß nicht zuzuspachteln.

Die Schläuche im Technikraum werden lose verlegt.

Damit die Schläuche nicht wackeln, werden sie einfach an einem Hebel (es wäre toll zu wissen, welcher Zweck dieser hat) eingeklemmt.

Zum Schluss ganz wichtig – Müll liegenlassen.

Gerade den letzten Punkt nehmen die meisten Handwerker sehr ernst, mittlerweile hat sich eine stattliche Menge an Müll angesammelt. Ich bin mal gespannt, wer den Unrat entsorgt, wird wohl an uns hängen bleiben.

 

Aus dem Nichts erhielt ich vor ein paar Tagen dann eine Mail von ARGUS, die mich seit Erhalt zwischen Frustration und blinder Wut schwanken lässt.

Bautagebücher in Blogform gibt es wie Sand am Meer. Für die meisten Bauherren ist der Hausbau das größte Projekt in seinem bisherigen Leben, sehr viel Geld wird in die Hand genommen, man trifft eine Entscheidung fürs Leben. Vor unserer Entscheidung für ARGUS wollte ich mir genau das zunutze machen und schauen, welche Erfahrungen andere Bauherren mit ARGUS gemacht haben. Leider habe ich genau drei Blogs gefunden, Blog Nr. 1 wurde nach der Hälfte des Baus nicht mehr weitergeführt (zu diesem Zeitpunkt hatten der Bau bereits ein halbes Jahr Verzögerung zu vermelden), der zweite Blog schien mir doch etwas zu positiv und glatt zu sein (ohne irgendetwas unterstellen zu wollen), Blog Nr. 3 glänzt durch vollkommenes Fehlen von Inhalten. Damit war es schon wieder Essig mit meiner tollen Idee.

Wenn die anderen es nicht machen, blogge ich halt darüber. Auf der einen Seite natürlich, um Freunde und Familie auf dem Laufenden zu halten, aber auch um möglichen Interessenten eine Informationsquelle zu bieten. Und gerne hätte ich auch ein paar Fotos gepostet mit dem Text: „Alles super!“.

Leider ist eben bei unserem Bau nicht alles super. Umso wichtiger ist es mir, den Verlauf des Hausbaus aus meiner Sicht möglichst genau festzuhalten. Natürlich ohne Garantie auf Vollständigkeit, aber immer mit der Gewissheit, die Situation so wiederzugeben, wie wir sie erleben.

Kurze Vorgeschichte: Wir haben, neben dem Bauregievertrag, ein Referenzabkommen unterzeichnet. Damit gewähren wir ARGUS das Recht, unser Haus als Musterhaus zu verwenden, also das Haus mit Interessenten zu besichtigen. Zeitraum und maximale Anzahl der Begehungen sind begrenzt, wir haben hierfür einen nicht unerheblichen Preisnachlass erhalten.

Nun hat ARGUS diesen Blog entdeckt und ist verständlicherweise nicht begeistert über den negativen Beigeschmack, den einige Beiträge haben. Soweit verständlich. Die Reaktion von ARGUS aber lässt mir die Wut aus den Ohren spritzen. Dieser Blog sei durch „Dritte“ (wer auch immer das sein soll) geprüft worden. Diese geheime Institution bestätigt, dass ARGUS das Referenzabkommen aufkündigen, den erhaltenen Nachlass samt Schadenersatz zurückfordern könne, sofern diese Seite nicht abgeschaltet werden würde.

ARGUS schreibt, dass viele meine Behauptungen hier nachweislich falsch sind, ohne genauer darauf einzugehen. Interessant. Welche Behauptungen denn?

  • Das niemand weiß, wann das Haus endlich fertig wird?
  • Das wir lange hinter der Zeit sind?
  • Das manchmal wochenlang nichts auf der Baustelle passiert ist?
  • Das die Handwerker uns ansprechen, weil ihnen Infos von der Bauleitung fehlen?
  • Das offene Fragen einfach nicht beantwortet werden?
  • Das wir keinerlei Unterlagen bekommen, die uns bei Vertragsunterschrift zugesagt wurden?
  • Das ich mehrfach bemängelt habe, dass die Kommunikation nicht funktioniert, Besserung gelobt wurde und sich trotzdem nichts geändert hat?

Wenn ARGUS nachweisen kann, das diese Behauptungen falsch sind, dann zeigt mir doch bitte diese Nachweise, genau die wollen wir doch!

Das Referenzabkommen besteht aus genau einer DIN A4 Seite. Ich lese und lese und lese – aber ich finde einfach den Abschnitt nicht, indem wir auf unsere Grundrechte verzichten, indem wir ein Veröffentlichungsverbot angenommen oder sonst eine Verpflichtung eingegangen sind, nur positiv über den Bau zu berichten.

Der Vollständigkeit halber muss ich ARGUS zugute halten, dass uns ein persönliches Gespräch zur Erörterung dieser „Unstimmigkeiten“ und Klärung weiterer offenen Punkte angeboten wurde. Dieses Gespräch war für heute geplant. Dieser Termin wurde von ARGUS aus terminlichen Gründen abgesagt. OK, kann passieren. Als Alternativen wurden uns nächste Woche Montag oder Dienstag angeboten. Und schon wieder hört sich mein Puls schwer nach einer Dampframme an.

Die ganze Angelegenheit scheint ja nicht besonders dringend zu sein, wenn Audienzen nur im Wochenrhythmus gewährt werden. In meinen utopischen Vorstellungen würde ich erwarten, der Bauleitung ständig über die Füße zu stolpern, wenn ich meinen täglichen Besuch auf der Baustelle unternehme. Oder den Bauleiter vielleicht auch mal an einem Samstag (wir sind fast jeden Samstag vor Ort) anzutreffen, an dem ja schließlich auch häufiger mal Handwerker vor Ort sind.

Das diese Vorstellungen nicht der Realität entsprechen, damit habe ich mich mittlerweile abgefunden. Also erklären wir uns bereit, zum ARGUS-Büro zu fahren, und das Treffen eben dort durchzuführen. Aber natürlich müssen wir als Auftraggeber uns danach richten, wann es dem Dienstleister denn genehm wäre, uns zur Audienz zu empfangen, Zeit ist ja bei uns ein unbegrenztes Gut.

Freunde, dazu fällt mir so langsam nichts mehr ein. Kurzum, mein Interesse an einer persönlichen Erörterung geht gegen null. Dieses Verhalten zeigt mir doch, dass meine Kritik an der Arbeitsweise doch nicht ganz falsch sein kann. Ihr wollt doch unsere Kohle! Kommt die Kuh gerannt, wenn der Bauer Milch will?

 

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