Schlaf gut Uschi

Gestern war es soweit, Joe wurde am 05.08.2013 gegen 19 Uhr eingeschläfert. Nach schweren Wochen haben auch die Tierärzte keinen Ausweg mehr gesehen. Ein Nachruf für meinen besten Kumpel.

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Am 09.04.2001 war es soweit, Du erblicktest als Apollo von der Burg Kakesbeck das Licht der Welt. Mir war an diesem Tag nicht klar, dass Du die nächsten 12 Jahre mein Leben bestimmen würdest. Meine damalige Freundin wollte sich mal Hundewelpen anschauen. Ich wollte eigentlich keinen Hund, aber ich wollte auch mal einen Dalmatiner sehen, und gucken kostet ja nichts. Bei Deinem Züchter angekommen, wuselten unzählige Dalmatiner-Welpen durch das Freigehege. Wir gingen in das Gehege, Deine Geschwister flippten total aus. Alle wollten uns begrüßen und spielen. Nur Du nicht, Du hast Dich auf meinen Fuß gelegt und bist bei all dem Trubel eingepennt. Ich wollte keinen Hund, aber da war klar, Du kommst mit mir. Ich fand den Namen Apollo gar nicht schlecht, aber er passte so wenig zu Dir. Ich habe Dich gesehen und wusste, das ist Dalmatiner-Joe.

Am 07.07.2001 haben wir Dich also mit nach Hause genommen. Und hier hast Du uns direkt gezeigt, dass Du, entgegen Deines berühmten Uschi-Blickes, doch recht schlau warst. Nach gefühlt 3 Tagen warst Du stubenrein, hast nichts kaputt gemacht, hast relativ gut gehört und hast uns fleißig die Show gestohlen. Sobald wir irgendwo auftauchten waren wir außen vor, Du standest im Mittelpunkt.

Schande über mich, ich habe keine Welpen-Fotos von Dir, aber Du bist schneller gewachsen, als wir Halsbänder, Näpfe usw. nachkaufen konnten. Irgendwie haben wir den Foto-Zeitpunkt verpasst.

In der Hunde-Schule warst Du in Deinem Element. Mit anderen Welpen spielen und dafür noch Leckerchen bekommen. An einem besonders heißen Tag haben die Hundetrainer einen kleinen Kinder-Pool aufgestellt, damit sich die Hunde abkühlen können. Du hast Dich reingesetzt, die anderen Welpen weggedrängt, und bist im Wasser sitzen geblieben.

Als das erste Mal Schnee lag, mussten wir die halbe Nacht draußen verbringen, weil Du nicht genug bekommen konntest. Du hast Dich bis zum Ende nicht davon abbringen lassen, das Schnee die coolste Erfindung der Welt ist.

Bald kam ein zweiter Hund dazu, Elvis der Rottweiler. Dem hast Du als Älterer erst mal gezeigt, wo der Hammer hängt. Für Elvis eine prägende Zeit, er hat sich wohl auch lange, nachdem wir ausgezogen sind, von Dalmatinern alles gefallen lassen. Bleibender Eindruck? Erledigt!

Nach einiger Zeit ging es von Münster nach Frankfurt, das war genau Deine Welt. Jeden Tag sind wir mit dem Fahrrad in den Solmspark in Frankfurt Rödelheim gefahren. Du hast auf dem Hinweg immer so gezogen, dass ständig meine Bremsen geglüht haben. Du hast Dich immer so auf Deine Kumpels gefreut, vor allem mit dem Beagle, dessen Name mir leider nicht mehr einfällt. Den einzigen Namen, den ich von der Zeit noch kenne, ist Jochen der Dackel. 😉

Auch Deine militärische Karriere ging steil voran. Um Dich mit in die Kaserne mitnehmen zu können, musste der Kasernenkommandant zustimmen. Ich habe den Oberstleutnant darauf angesprochen, er war von der Idee nicht begeistert, aber ich sollte Dich mal mitbringen. Kurz nach Hause, Dich abgeholt und wieder in das Büro des Kasernenkommandanten. Typisch Uschi, nach 2 Minuten habt ihr auch auf dem Boden rumgerollt und gespielt. Der Oberstleutnant gab grünes Licht unter der Voraussetzung, dass Du ihn einmal täglich besuchen kommst.

Natürlich ging es nicht an, dass Du in zivil in der Kaserne rumläufst, also wurdest Du zum Hauptgefreiten ernannt. Das hob Dich vom normalen Wehrpflichtigen ab. Ein höherer Rang wäre auch nicht möglich gewesen, ich war ja zu der Zeit auch noch HG.

Ich kann mich noch lebhaft an das Telefonat mit der StOV erinnern. Die georderten Namensschilder haben dort doch einige Fragen aufgeworfen, also riefen die Jungs den Personalbearbeiter an, also mich. Ich habe dem verdutzten Kollegen erklärt, dass wir tatsächlich einen Soldaten namens Uschi hätten, und das er sich den Namen ja schließlich nicht ausgesucht hat. 😉

Dein Tagesablauf war jeden Tag der gleiche. Ich musste Dich zuhause wecken, Du hast Dich die 300 Meter bis ins Büro geschleppt. Hier hast Du erst mal 1-2 Stunden weiter gepennt. Dann musstest Du erst mal ne Runde durch die Büros drehen, erstaunlich, auf wie vielen Schreibtischen plötzlich kleine Dosen mit Fleischwurst bereit standen. Dann erst mal raus, ne Kasernenrunde drehen. Die Wachleute wussten Bescheid und haben aufgepasst, dass Du nicht doch Fahnenflucht begehst.

Nach und nach wurdest Du zum Kasernen-Maskotchen, selbst bei offiziellen Appellen und Antreten warst Du dabei. Nur mit dem „Stillgestanden“ hat das nicht so ganz geklappt.

Irgendwann in dieser Zeit waren wir zu Besuch am Möhnesee. Wir wollten einmal komplett um den See laufen, aber Wege sind ja was für Amateure. Also bist Du ab in den Wald, die nähere Umgebung erkunden. Du warst schon länger außer Sichtweite, auf Rufe hast Du ja meist auch nicht besonders reagiert. Wir haben einfach auf Dich gewartet, Du bist ja immer wiedergekommen. Plötzlich war Alarm. Knackende Äste und aufstampfende Hufe. Du kamst aus dem Wald geschossen und hast Dich hinter mir versteckt. Ein riesiger Hirsch hat Dich aus dem Wald gejagt, ich weiß bis heute nicht, was Du ihm getan hast. Die restliche Runde bist Du aber besser als jemals zuvor bei Fuß gegangen. Der Hirsch hat Dir wohl nen ziemlichen Schreck eingejagt.

Am nächsten Tag, immer noch im Sauerland, rannte eine wirklich fette Katze über die Straße. Du wolltest spielen, also ab hinterher. Die Katze schoss einen Baum rauf, unterschätzte dabei aber scheinbar ihr Gewicht, die Krallen brachen ab, die Katze fiel vom Baum. Der Spaß hat mich ein paar hundert Euro gekostet, obwohl Du die Katze nie berührt hast.

Ein paar Mal sind wir nach Amsterdam gefahren, zu Deinem Kumpel Ferres. Ihr hattet immer eine gesunde Rivalität, aber irgendwie habt ihr euch trotzdem immer zusammengerauft.

Leider hatte unsere Frankfurter Zeit ein Ende, es ging weiter nach Geilenkirchen. Im Nachhinein war Frankfurt Deine vielleicht schönste Zeit, zu unserer Verabschiedung gab es einige Tränen der Belegschaft. Ich mache mir keine Illusionen, die haben nicht wegen mir geheult, sondern weil Du gingst. Auszug aus unserer offiziellen Verabschiedungsrede:

„Ein weiteres Highlight des StUffz Hofmann ist natürlich sein Hund Joe, manchen bekannt als Uschi, der jeden Besucher des Geschäftszimmers, im Gegensatz zu seinem Herrchen, freundlich begrüßt hat und für eine einmalige Atmosphäre im Flur des Stabszugs gesorgt hat.“

In Geilenkirchen war dann auch Schluss mit dem familiären Umfeld, hier war doch tatsächlich Militär am Werk. Also musstest Du von nun an zuhause bleiben. Macht aber nix, unser gemietetes Einfamilienhaus war viel zu groß, so dass Du sogar Dein eigenes Zimmer und nen großen Garten hattest.

Drumherum war weit und breit gar nix, wie oft haben wir uns mit dem Fahrrad in der Pampa verfahren? Wie oft haben wir eine neue Strecke ausprobiert, und wie oft sind wir beide komplett in Schlamm gehüllt zurückgekommen, und mussten erstmal mit dem Gartenschlauch das Gröbste abwaschen?

Aber lange haben wir Stadtkinder es in der Einöde nicht ausgehalten, nächste Station Köln. Es ging erst mal in eine Beamtenwohnung in der Nähe der Kaserne, die Wohnung lag im sechsten Stock. Hier hast Du das erste Mal einen Aufzug kennengelernt. Als wir das erste Mal damit hochgefahren sind, hast Du Dich gar nicht aus dem Aufzug getraut. Rein in den Kasten, Tür zu, Tür wieder auf, und alles sieht ganz anders aus? Das hast Du nicht auf die Kette bekommen. Du bist zwar gern in den Aufzug reingegangen, aber raus wolltest Du nicht. Aber mit Leckerchen ging es dann auch.

Auch hier haben wir schnell eine Hundegruppe gefunden, mit denen Du Dich gut verstanden hast. Fast jeden Tag konntest Du dort mit den anderen Hunden toben.

Bis Dein unerklärlicher Hass auf kleine, weiße Hunde rauskam. Du hast den kleinen Hund gesehen, Vollgas und zubeißen.

Der andere Hund war ja selbst Schuld, warum war er auch so klein? Die Besitzer haben den Hund zur Tierklinik geschafft, die Verletzungen hielten sich in Grenzen. Aber eine schriftliche Beschwerde beim Ordnungsamt folgte. Die Reaktion vom Ordnungsamt:

„…ihr Hund ist eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit.“

„Ein Amtstierarzt wird Ihren Hund begutachten.“

„Ihr Hund ist bis auf Weiteres ausschließlich an der Leine zu führen.“

Die Uschi, eine Gefahr? Die Amtstierärztin kam also vorbei, und Du hast mal wieder Deinen Charme spielen lassen. Die Dame hat sich sofort in Dich verliebt und hat Dir ein Eins Plus mit Sternchen-Zeugnis ausgestellt. Nur von kleinen Hunden sollen wir uns doch bitte fern halten.

Bald konnten wir wieder unserem liebsten Hobby nachkommen – Umziehen. Es ging von Köln nach Hürth, auch hier warst Du „Everybody’s Darling“. Die Nachbarn haben geschwärmt, wie ruhig Du doch bist, man würde Dich gar nicht hören. Sobald Besuch kam, hast Du Dich stets so hingelegt, dass Dich jeder streicheln konnte, und keinen Platz mehr hatte.

Du warst Dir auch nicht zu schade, Dich beim Grillen auch mal gesittet auf einen Stuhl zu setzen.

Selbst bis an die Nordsee hast Du es schon geschafft.

Du hast Weihnachten gefeiert…

Und sogar Geburtstage, obwohl Du hier nicht besonders glücklich guckst. Die ganze Zeit wolltest Du den Ballon unbedingt haben…

Rückwirkend betrachtet, gingen aber scheinbar hier schon Deine Rückenprobleme los. Du hast immer mehr Zeit in Deinem geliebten Sessel verbracht, kamst aber immer schwerer hoch und wieder runter. Ich habe es halt auf Dein Alter geschoben, da geht eben manches nicht mehr so leicht.

Und dann ging es im Mai los. Wir haben uns eine Woche Spanien gegönnt, Du warst bei meinen Eltern, wo Du immer durch die Bank verwöhnt wurdest. Dein Rückenleiden wurde immer schlimmer, Du konntest kaum noch laufen. Athrose in den den Gelenken und irgendein Problem am Rücken. Die Ärzte konnten gerade beim Rücken nur Vermutungen anstellen, eine genaue Diagnose hätte nur ein MRT gebracht. Das hätte aber auch nichts geholfen, in Deinem Alter wäre eine Operation nicht mehr sinnvoll gewesen, viele Schmerzen, eine lange Heilungszeit und absolut keine Garantie, dass es durch die OP besser wird. Also haben wir es mit allerlei Spritzen, Tabletten und Pallets probiert, was anfänglich auch die Schmerzen gelindert hat. Vom ganzen Wesen warst Du nach wie vor topfit, aber Dein Körper hat eben nicht mehr mitgemacht, so dass ich zum Schluss andere keine Wahl hatte, als Dich gehen zu lassen.

In Deiner letzten Woche hatten wir zumindest noch einmal die Gelegenheit, ein paar Fotos zu machen.

Ich wollte Dich auf deinem letzten Gang nicht vor der Tierarzt-Praxis unwürdig im Dreck vor der Praxis warten lassen, also haben wir im Kofferraum gewartet. Du hast es nicht gezeigt, aber Du hattest sicher starke Schmerzen. Der Doc hat auch recht schnell festgestellt, dass es besser ist, einen Strich zu ziehen, und gab Dir die initiale Betäubung.

Aber selbst die Betäubung konnte Deinen starken Willen nicht brechen, Du wolltest einfach nicht einschlafen, sondern lieber der Tierarzthelferin zugucken, die an den Schubladen neben Dir hantierte. Der Doc verabreichte Dir noch eine Dosis, und dann ging es schnell. Du bist eingeschlafen, und der Arzt konnte Dir die finale Spritze setzen. Kurz nach 19 Uhr stellte er dann Deinen Tod fest. Daneben zu stehen und an Deinem Hals zu fühlen, wie Deine Atmung immer langsamer wird, der Puls verschwindet und Du keine Reaktionen mehr zeigst, war wirklich hart. Aber ich bin bis zum Schluss bei Dir geblieben, das war ich Dir schuldig.

Ich muss mich erst daran gewöhnen, dass Dein Teppich ab sofort leer bleibt, Deine Leine unbenutzt.

Wir sind mitten im Hausbau, bei der Auswahl des passenden Grundstücks habe ich hohe Priorität auf einen großen Garten gelegt, damit Du darin Dein Senioren-Dasein genießen kannst. Leider kannst Du es nun nicht mehr erleben. Bei uns sein wirst Du trotzdem, sobald der Garten fertig ist, suche ich einen schönen Platz für Deine Urne.

Schlaf gut, meine Uschi!

 

 

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